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Wird 2026 das Jahr der Künstlichen Intelligenz?

Martin Marienschek
06.01.2026
Martin Marienschek

Ein nüchterner Blick auf Weiterbildung, Personalentwicklung, Recruiting und Kommunikation

Während technologische Durchbrüche und neue Anwendungen viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen, stellt sich zunehmend die Frage, wie tiefgreifend sich KI in zentrale Unternehmensbereiche wie Personalentwicklung, Recruiting, Weiterbildung und Kommunikation integriert. Studien und Umfragen zeichnen dabei ein differenziertes Bild:

  • In deutschen Unternehmen setzen aktuell rund 30 Prozent KI ein. Der Großteil davon befindet sich jedoch noch in einer Phase der Erprobung. Nur ein kleiner Teil nutzt die Technologie bereits als festen Bestandteil des Geschäftsmodells. Auch die aktuelle KPMG-Studie betont, dass sich generative KI zu einem geschäftskritischen Faktor entwickelt, aber ihre unternehmensweite Integration noch aussteht. 
  • Im Bereich der Weiterbildung zeigt sich, dass zwar etwa vier von zehn Unternehmen ihren Mitarbeitenden Maßnahmen zum Kompetenzerwerb anbieten, jedoch mehr als die Hälfte bisher auf solche Angebote verzichtet. Gleichzeitig berichten ein Drittel der befragten Unternehmen davon, dass viele Mitarbeitende noch Schwierigkeiten im Umgang mit KI-Anwendungen haben. Zwischen Absicht und gelebter Praxis besteht also eine erkennbare Lücke.
  • Die Personalentwicklung wird zunehmend durch datenbasierte Ansätze beeinflusst. KI kann hier unterstützen, doch auch in diesem Bereich zeigen sich strukturelle Hürden: Zeitmangel, fehlende Fachkräfte und unklare rechtliche Rahmenbedingungen sind die am häufigsten genannten Herausforderungen beim KI-Einsatz. Der Ausbau entsprechender Kompetenzen wird zudem durch den seit 2025 geltenden europäischen AI Act forciert, der Anbieter und Betreiber zur Qualifizierung ihrer Mitarbeitenden verpflichtet.
  • Im Recruiting ist der Einsatz intelligenter Systeme weiter verbreitet, doch auch hier bleibt der umfassende Wandel bislang aus. Automatisierte Auswahlprozesse oder Empfehlungssysteme unterstützen einzelne Schritte, ersetzen jedoch nicht die strategische Einbettung in eine ganzheitliche Personalstrategie. Die Nutzung von KI scheint auch in diesem Feld stark abhängig von der Unternehmensgröße und dem verfügbaren Ressourcen-Rahmen zu sein.
  • In der Markenkommunikation verändert KI die Produktion und Ausspielung von Inhalten. Texte, Bilder oder Sprache werden zunehmend automatisiert erzeugt, personalisiert verteilt und datenbasiert optimiert. Gleichzeitig rückt die Frage in den Vordergrund, wie Unternehmen Vertrauen und Authentizität in einer automatisierten Kommunikationslandschaft sichern können. Dies betrifft nicht nur technische, sondern auch ethische und gestalterische Fragen.

Trotz vieler Fortschritte zeichnet sich eine gewisse Ernüchterung ab. Besonders in den USA ist die Nutzung von KI im ersten Quartal 2025 erstmals leicht zurückgegangen. Auch im deutschsprachigen Raum zeigt sich, dass nicht alle Unternehmen bereit sind, KI flächendeckend einzusetzen. Rund ein Drittel sieht keinerlei Anwendungsmöglichkeiten für sich.

Ob 2026 das Jahr der KI wird, lässt sich daher weniger durch technische Entwicklungen als durch unternehmerische Entscheidungen und strukturelle Veränderungen beantworten. Die Technologie ist verfügbar, das Bewusstsein ist geschärft – doch die Integration in Kultur, Prozesse und Kompetenzen ist vielerorts noch im Aufbau. Das Jahr 2026 wird wohl ein entscheidender Zwischenschritt auf dem Weg zu einer langfristigen Transformation.