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Wie Unternehmen Orientierung stiften können

Martin Marienschek
„Wo siehst Du Dich in drei bis fünf Jahren in Deiner persönlichen Entwicklung?“ Diese Frage stellen wir jungen Menschen oft mit den besten Absichten – aber sie trifft heute einen empfindlichen Punkt. Die Realität ist: Viele wissen es schlicht nicht. Und das ist völlig in Ordnung.
Ich erlebe in meiner Arbeit mit Nachwuchskräften immer wieder, dass die Unsicherheit bei der Berufsentscheidung kein Zeichen von Orientierungslosigkeit ist – sondern Ausdruck einer Zeit, die sich rasanter verändert, als unsere Bildungswege Schritt halten können.
Berufsbilder wandeln sich schneller als Berufsbilder entstehen
Technologischer Fortschritt, künstliche Intelligenz, gesellschaftlicher Wandel – kaum eine Branche bleibt davon unberührt. Berufe, die heute selbstverständlich sind, gab es vor zehn Jahren noch nicht. Und viele der Jobs von morgen sind heute noch gar nicht definiert.
Für junge Menschen bedeutet das: Sie müssen Entscheidungen treffen, obwohl die Landkarte erst gezeichnet wird. Für Unternehmen bedeutet das: Wir müssen lernen, Orientierung zu geben, ohne Vorgaben zu machen.
Orientierung statt Perfektion
Viele Unternehmen suchen nach „den passenden Kandidat*innen“. Doch oft wäre es hilfreicher, Menschen zu finden, die bereit sind, sich zu entwickeln.
Junge Menschen brauchen Räume, in denen sie ausprobieren dürfen, statt sofort „performen“ zu müssen. Sie brauchen Feedback, das stärkt – nicht bewertet.
Und sie brauchen Führungskräfte, die zuhören, statt alles zu wissen. Wenn wir wollen, dass sie Verantwortung übernehmen, müssen wir ihnen auch zutrauen, ihren Weg selbst zu gestalten.
Ausbildung als Dialog – nicht als Durchlaufstation
Ausbildung ist weit mehr als Wissensvermittlung. Sie ist ein Dialog zwischen Generationen, zwischen Erfahrung und Neugier, zwischen Struktur und Spontaneität. In einer Welt, in der sich Rahmenbedingungen ständig ändern, wird Lernen selbst zur Kernkompetenz.
Junge Menschen bringen dafür alles mit: Offenheit, digitale Kompetenz, Mut, Dinge infrage zu stellen. Unsere Aufgabe als Unternehmen ist es, dieses Potenzial nicht zu kanalisieren, sondern zu kultivieren.
Resilienz fördern heißt Zukunft sichern
Wenn wir über Zukunftskompetenzen sprechen, ist Resilienz ganz vorne dabei. Sie entscheidet, wie junge Menschen mit Unsicherheit umgehen, wie sie Rückschläge verarbeiten und wie sie sich in einer komplexen Welt orientieren.
Unternehmen können hier viel tun: durch Begleitung, ehrliche Kommunikation, Lernräume und eine Kultur, die Fehler als Lernchance begreift. Resiliente Mitarbeitende sind keine Zufallsprodukte – sie entstehen in resilienten Organisationen.
Junge Menschen brauchen heute weniger klare Wege – und mehr Wegbegleitung.
Wir als Unternehmen können dazu beitragen, indem wir Orientierung, Vertrauen und Entwicklungschancen bieten. Denn Berufsentscheidung ist kein Zielpunkt, sondern ein Prozess.
Wenn wir ihn gemeinsam gestalten, gewinnen am Ende beide Seiten: Menschen, die wachsen – und Organisationen, die mitwachsen.